Gasshuku Dinkelscherben 2011

Logbuch by Stefan Muth

Freitag, 16.9. 2011:
Die "Schweizer Delegation", bestehend aus Manfred, Marcus, Marco und mir traf sich in Rheinfelden. Die lang ersehnte Reise zu unseren deutschen Shorinji Kempo Freunden konnte beginnen (nochmals herzlichen Dank an unseren Fahrer, Marcus). Die Fahrt verlief, was Staus betrifft, relativ gut. Vor den Verengungsknoten Pfändertunnel und Region Memmingen herrschte allerdings Stillstand. Doch mit guten Gesprächen liess sich auch dies überbrücken. Noch ein kurzer Halt für einen kleinen Snack, und nach ca. 5 Stunden hiess es herzlich Willkommen in Dinkelscherben.
Im einzigen Ausgangsort, einer kleinen Spielhöhle, wurde noch schnell die Kehle mit Kaffee und Bier angefeuchtet, bevor wir uns schliesslich in unsere Unterkunft begaben. Es folgte die offizielle Begrüssung im Speisesaal, mitunter auch die Bekanntgabe der Zimmerzuteilung. Diese Zimmerzuteilung war eine super Idee, denn so konnte man leicht neue Leute kennenlernen (so hatte ich die Gelegenheit jemanden aus einer finnischen Branch kennenzulernen).
Um 18.00 Uhr schliesslich gab es Abendessen. Speziell war, dass alle Kenshis zum "Servierdienst" antreten mussten, was die Erinnerung an frühere Schullager erinnerte. Dadurch wurde natürlich der Gemeinschaftssinn gefördert, was ich als wichtig erachte. Der Freitag wurde schliesslich für die meisten, mit Ausnahme der deutschen Kenshis, welche ihre Kyu-Prüfung absolvierten, zu einem freien Abend. Im internen Pool (und später draussen am Lagerfeuer mit Bier und guter Laune) konnte ich alte Bekanntschaften pflegen und neue schliessen.
Man könnte jetzt x Zeilen über diesen Abend schreiben, was ich an dieser Stelle allerdings unterlassen möchte - in einem Satz zusammengefasst: Ich konnte den "Geist des Shorinji Kempo" fühlen und erleben, und zwar hautnah. Doch auch ein schöner Abend geht halt mal vorbei und man muss ans Schlafen denken. Denn nur ein ausgeschlafener Kenshi kann das Training voll auskosten und seinen Mitkenshis ein guter und verantwortungsvoller Trainingspartner sein.

Samstag, 17.9. 2011:
Das Programm war sehr gut durchgeplant: Frühstück (Kontinental, wie man es sich gewöhnt ist) um 08.00 Uhr, Foto-Shooting (Erinnerung an die gemeinsame Zeit in Dinkelscherben) um 09.00 Uhr, im Anschluss wie gewohnt Chinkon, Taiso und Kihon, eingeschobene Pause (trainieren macht nicht nur glücklich, sondern auch durstig), Techniken nach Graduierung, Teil 1, Mittagessen um 12.00 Uhr (sehr reichhaltig, was die Vitalstoffe betrifft; natürlich wurden auch die Glückshormone durch Dessert angeregt), ab 13.30 Uhr Techniken nach Graduierung, Teil 2, ab 15.00 Uhr Kaffeepause (da wurden die "müden Geister" wieder munter), schliesslich ging das Training bis 17.00 Uhr weiter, gefolgt vom gemeinsamen Abendessen um 18.00 Uhr (ebenfalls sehr kulinarisch angerichtet), um 20.00 Uhr erfolgte das Abendprogramm, worauf ich noch eingehe und zum Schluss war natürlich noch das Ausklingen des Abends vor dem erneuten Schlafen gehen.
Bei allen Gruppen wurde eine Technik herausgegriffen, welche höchstpersönlich von Aosaka Sensei vorgezeigt und ins Detail erklärt wurde. Weil ich etwas "ungeschickt" bei einer Technik war, hatte ich sogar dieses Mal das Vergnügen, von ihm direkt korrigiert zu werden. Ich konnte sehr viel profitieren, auch wenn viele Techniken eher aus dem "San-Dan-Programm" entstammten, und ich dadurch noch mehr in "koordinative Schwierigkeiten" geriet. Der Körper musste einige "Spannungen" ertragen, gefolgt von Flugtechniken, aber es hat total Spass gemacht und das ist die Hauptsache.
Ich durfte mit verschiedenen Trainingspartnern trainieren - Gelassenheit, Kraft, Dehnbarkeit und weitere Eigenschaften waren personifiziert. Die Senseis, namentlich M. Birling, D. Beard, A. Petterson, M. Carugati und W. Wunderle haben mir sehr viel von ihrem Wissen vermitteln können.
Alles in allem kann man von einem sehr lehrreichen, intensiven und spannenden Trainingstag sprechen.
Schliesslich kommen wir noch zum erwähnten Abendprogramm - das war einfach "voll der Hammer!" - ich kann es nicht anders ausdrücken. Gesucht wurde "Deutschlands Super-Kenshi" (natürlich waren nicht nur die Deutschen involviert und es gewann auch keiner von ihnen). Jede Branch musste ihren Vertreter auserwählen, welcher bestimmte Aufgaben zu erfüllen hatte, um eine Runde weiter zu kommen. Und wer wurde wohl für die Schweiz ausgewählt? Richtig geraten, meine Wenigkeit natürlich, weil ich der Jüngste war und sich die andern natürlich mal wieder aus der Affäre ziehen wollten (grins!!!). Es begann mit Theoriewissen zu Shorinji Kempo. Hierzu durfte man sich natürlich die Branch-Mitglieder beiziehen. Es gab natürlich auch eine Frage, die keiner von unserer Branch wusste, nichts desto trotz habe ich es in die zweit Runde geschafft. Jetzt hiess es in einer Dreiergruppe möglichst lange auf einem Bein zu stehen (der Fuss des gehobenen Beines musste auf dem Knie des Standbeines liegen. Bereits nach den ersten 20 Sekunden wackelte ich kräftig und alle dachten jetzt muss er dann aufgeben. Aber nein, die "Schweiz" stand eisern, bot eine "Show" aus wackeln, ausgleichen wackeln…und gewann schliesslich. Natürlich wurde man die ganze Zeit durch Klatschen etc. motiviert. Beim Gürtel-Schnellbind-Wettbewerb danach schieden wir klar aus. Unzufrieden war ich allerdings nicht, denn schliesslich geht es um den Spass und so konnte ich mich vom Singen mit Singstar (Country road…) drücken (grins!!!). Die anderen Kenshis singen zu sehen war allerdings ein Gaudi; jeder gab sein Bestes. Das Finale bestand aus Sumo-Ringen im Kostüm - ebenfalls eine sehr amüsante Angelegenheit. Giacomo konnte schliesslich den Italienern den Sieg bescheren, und zwar in Form von Bier. Es war ein verdienter Sieg (schon sein zügiges Gürtel-Binden war bemerkenswert; 14.5 Sekunden).
Es war ein wirklich gut gelungenes Programm (Kompliment an unsere deutschen Freunde).

Sonntag, 18.9. 2011:
Da der Samstag relativ intensiv war, musste ich mich zunächst mal aus dem Bett "quälen", aber wie sagt man so schön, wer feiern kann, der kann auch aufstehen. Der Ablauf wurde analog zum Samstag konzipiert. Ich durfte mein "Wissensrucksack" erneut füllen und hatte schöne Trainingsstunden verbracht, habe gut gespeist und war rundum zufrieden. Um 14.30 Uhr verliessen wir allerdings vorzeitig die Stage, weil wir doch noch eine lange Rückreise in die Schweiz vor uns hatten. Jetzt hiess es leider Abschied nehmen: Umarmungen, Kesshu, Danksagungen, gute Wünsche, letzte Erinnerungsfotos und Austausch von Facebook-Adressen. Es ist immer schade gehen zu müssen, wenn es am schönsten ist, gleichzeitig ruft dies aber auch die Motivation hervor, sich zu bemühen, dass man sich bald wieder sehen kann.
Bei der Rückreise mussten wir wieder Stau in Kauf nehmen und verloren dadurch 1.5 Stunden. Aber wie ich bereits bei der Anreise erwähnt habe, lässt sich die Wartezeit durch gute Gespräche überbrücken. Es hat ja alles bestens funktioniert und wir sind glücklich und zufrieden zurückgekehrt.